Konzept zur tiergestützten Intervention – Das „Frieda-Konzept“

 

1. Histrorischer Hintergrund der tiergestützten Intervention

Die Erkenntnis, dass Tiere positive Wirkungen auf Menschen ausüben und in diesem Sinne deren Emotionen und Verhalten positiv beeinflussen, ist keine neue Erkenntnis der heutigen Zeit, die von Befürwortern der tiergestützten Interventionen geschaffen wurde. Bereits seit dem 8. Jahrhundert werden Tiere bewusst zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Seit dem 19. Jahrhundert werden Tiere besonders in medizinischen, therapeutischen und pädagogischen Einrichtungen eingesetzt, um die Entwicklung von Menschen positiv zu beeinflussen.

Seit den 1970er Jahren gibt es vermehrt Bemühungen diese Wirkung der Tiere wissenschaftlich zu belegen und zu erforschen. Arbeitsgemeinschaften vieler Universitäten und praktizierender Pädagogen und Therapeuten treiben die Forschung und Entwicklung von Qualitätsstandards in diesem Bereich heute voran.

In dem vorliegenden Konzept soll die tiergestützte Intervention begrenzt werden auf den pädagogischen Einsatz von Schulhunden. In diesem Teilbereich der tiergestützten Intervention entwickeln immer mehr Bundesländer in Deutschland Standards zum Einsatz von Tieren in der Pädagogik und Therapie. In Niedersachsen ist das der „Arbeitskreis Schulhund Niedersachsen Süd-Ost-Schulhundweb“. Das vorliegende Konzept soll daher den Einsatz des Schulhundes Frieda an der Grundschule Bad Rothenfelde mit allen notwendigen Regelungen darstellen und für diese Schule verbindliche Qualitätsstandards festlegen, die sich eng an den Weiterentwicklungen des AK Schulhunde in Niedersachsen Süd-Ost orientieren.

 

2. Begriffsdefinition

Für die Arbeit mit Hunden in pädagogischen oder therapeutischen Arbeitsfeldern gibt es verschiedene Begriffsdefinitionen, die jedoch in Deutschland noch nicht geschützt und daher auch noch nicht allgemein anerkannt sind. Dennoch ist die Unterscheidung von Begrifflichkeiten von Bedeutung, um den Einsatzbereich eines Hundes und die damit zusammenhängende Qualifizierung des Hundes zu beschreiben. Die vorliegende Konzeption legt die Definition und den Einsatz des Schulhundes zu Grunde.

Der Schulhund ist ein Hund, der seinen Hundeführer im schulischen Einsatz regelmäßig begleitet und den Pädagogen/ Sonderpädagogen durch seine Anwesenheit und gezielte Interaktionen mit den Schülern bei der Umsetzung seiner Ziele unterstützt. Demnach wird die Arbeit an individuellen Förderschwerpunkten der Schüler durch den Hund begleitet.

Der Besuchshund hingegen wird nicht von einem Lehrer der Schule geführt, sondern kommt, wie der Name schon sagt, mit seinem Hundeführer besuchsweise in die Schule oder eine andere Einrichtung, um projektartig und nicht dauerhaft konkrete Lernziele zu verfolgen. So kann beispielsweise ein Besuchshund dazu genutzt werden, in einem Anatomieprojekt die Anatomie des Hundes am lebenden Objekt zu verdeutlichen. Der Therapiebegleithund begleitet ebenso wie der Schulhund seinen Hundeführer regelmäßig in sein Einsatzgebiet, jedoch liegt dieses nicht im pädagogischen, sondern im therapeutischen Bereich. Ergotherapie, Logopädie, Psychotherapie oder Physiotherapie sind häufige Einsatzfelder von Therapiebegleithunden.

 

3. Voraussetzungen

Nicht jeder Hund, der sich gutmütig im Umgang mit Kindern und Jugendlichen verhält und ein weiches Fell hat, ist automatisch als Schulhund geeignet. Eine charakterliche und physische Eignung des Hundes ist ebenso wichtig wie eine gute Gehorsamsausbildung und sehr gute Bindung zu seinem Hundeführer. Es gibt nicht den perfekten Schulhund, denn jeder Hund hat Stärken und Schwächen. Daher ist die Beziehung zwischen Mensch und Tier so wichtig. Ein selbstbewusster und souveräner Hundeführer, der seinen Hund kennt und wichtige Kommunikationssignale seines Tieres lesen und deuten kann, ist die Voraussetzung dafür, dass kritische Situationen für Mensch und Tier im Arbeitsfeld Schule vermieden werden können. Nur wenn der Hundeführer seinen Hund vorausschauend und verantwortungsvoll entsprechend seiner Stärken einsetzt, können die vielfältigen positiven Effekte durch den Hund entstehen. Ein Hund, der gestresst, ängstlich, gezwungener Maßen oder zu häufig über längere Zeit im Einsatz ist, birgt nicht nur Gefahren für sein Umfeld, in diesem Fall muss auch von Tierschutzmissachtung gesprochen werden. Der Hundehalter muss also seinen Hund sehr genau kennen, Stresssignale deuten können und jede Situation hinsichtlich der Belastbarkeit seines Hundes einschätzen, um ihn so früh wie möglich aus negativen oder gar bedrohlichen Situationen zu befreien. Dies impliziert, dass der Hund zu jeder Zeit mit seinem Hundeführer agiert. Schüler werden mit dem Hund nie alleine gelassen.

Da auch ein Hundeleben durch verschiedene Phasen, durch verschiedene Erlebnisse und Ereignisse geprägt wird, besteht die Eignung eines Hundes nicht immer ein Leben lang. Daher muss der Hundeführer seinen Hund immer wieder von neuem auf die Eignung hin überprüfen und gegebenenfalls auch nach einigen erfolgreichen Einsatzzeiten die Entscheidung treffen, den Hund nicht weiter einzusetzen.

Steffi von Vietinghoff, Ausbilderin im Bereich der tiergestützten Intervention, hat einige wesentliche physische und charakterliche Eigenschaften sowie die wichtigsten Anforderungen an den Gehorsam eines Schulhundes aufgestellt. Dazu gehören:

  • menschenbezogen und führwillig
  • absolut freundliches Wesen
  • Berührungen und Streicheln gewünscht
  • soziale Kompetenz unter Artgenossen
  • hohe Toleranz- und Reizschwelle
  • aggressionsarm
  • ausgeprägte Beißhemmung
  • nicht übermäßig schreckhaft
  • weder scheu, noch extrem ängstlich oder unsicher
  • wenig Territorial- und Schutzverhalten
  • kein Kläffer
  • kein unangenehmer Körpergeruch, übermäßiger Haarausfall oder Speichelfluss
  • optimaler Gesundheits- Ernährungs- und Pflegezustand
  • Leinenführigkeit
  • direktes Befolgen von Hör- und Sichtzeichen (auch auf Entfernung)
  • mehrere Minuten langes Absitzen und Abliegen (auch wenn der Besitzer außer Sichtweite ist)
  • kontrollierbarer Jagdtrieb
  • Unterlassen der Aufnahme von Gegenständen o.ä.
  • sofortige Freigabe von Gegenständen aus dem Fang

 

3.1 Vorstellung des Hundes

Frieda:

Frieda ist eine 5 Jahre alter Australian Sheperd – Berner Sennenhund - Mischlingshündin. Mit anderen Menschen und Tieren wurde und ist sie gut sozialisiert. Als Junghund absolvierte sie eine Welpen- und Hundeschule. Eine Zusatzausbildung im Bereich der Begleithundeausbildung ist bereits in Planung. Befehle empfängt Frieda gerne und sie lernt zügig.

Frieda liebt es gestreichelt zu werden und zu spielen. Fremden Menschen begegnet sie zurückhaltend und freundlich, fasst aber schnell Vertrauen. Sehr schnell unterscheidet sie zwischen Personen, die ihr wohl gesonnen sind, die Angst vor ihr als Hund haben oder die ihr neutral begegnen und verhält sich dann auch entsprechend und angemessen. In Stresssituationen reagiert Frieda stets mit Rückzug. Ihr Wesen lässt sich insgesamt als sehr ausgeglichen, ruhig, anpassungsfähig und freundlich beschreiben. Sie ist darüber hinaus sehr menschenbezogen und an vielen neuen Dingen interessiert. Ein Foto von Frieda befindet sich auf der Homepage der Grundschule Bad Rothenfelde.

 

3.2 Voraussetzungen der Schüler und der Schule

Um den Einsatz eines Schulhundes verantwortungsvoll und gewissenhaft planen zu können sind nicht nur bestimmte Voraussetzungen auf Seiten des Hundeführers und seines Hundes wichtig.

Vorausgesetzt werden muss auch, dass sowohl die Schulleitung und das Kollegium als auch die Eltern der beteiligten Kinder und die Schüler selbst mit dem Einsatz des Hundes einverstanden sind und das Vorhaben mehr oder weniger aktiv unterstützen. Kinder, die eine Hundephobie haben, müssen sehr langsam und behutsam an den Hund herangeführt werden, um ihnen dauerhaft die Angst zu nehmen. Diese Heranführung basiert auf dem Grundsatz der Freiwilligkeit. Das bedeutet, dass ein Kontakt zum Hund, wenn er vom Kind nicht gewünscht wird, auch nicht stattfindet.

Kindern, die unter Hundehaarallergien leiden, können eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Arztes erbringen, denn nicht jeder Allergiker reagiert auf jedes Hundefell gleich. Allgemein gilt, dass Kinder mit stark ausgeprägten Allergien keinen Kontakt zu dem Schulhund aufnehmen. In der Einsatzklasse des Schulhundes bewegt sich der Hund überwiegend frei. Ein Schild an der Klassentür zeigt dem Besucher, dass der Hund anwesend ist. Im Schulgebäude bewegt sich der Hund nur bei gezielten Einsätzen frei, ansonsten läuft er an der Leine.

Darüber hinaus ist der Einsatz des Hundes so zu planen, dass er in den Unterrichtsalltag der Schüler und des Lehrers einwandfrei integriert werden kann. Notwendigerweise ist dies an Tagen zu planen, an denen hauptsächlich Klassenunterricht stattfindet.

Hygienische Voraussetzungen für den Einsatz des Hundes werden unter Punkt 7 (Hygieneplan) thematisiert.

 

4. Fördermöglichkeiten und Wirkungen durch den Einsatz von Schulhunden

Wirkungsebenen und Ziele des Hundes im Einsatz

In der Literatur (Vgl. Nestmann, 1994 und Prothmann, 2007) werden verschiedene Ziele und Wirkungen von Hunden im Einsatz aufgezählt. Dazu gehören physiologische und physische.

 

4.1 Ein Beitrag zur kindlichen Entwicklung

Verschiedene wissenschaftliche Erklärungsansätze für die Mensch-Tier-Beziehung werden von Steffi von Vietinghoff angeführt, um den Beitrag zur kindlichen Entwicklung durch Hunde zu erläutern. Diese Erklärungsansätze bilden die Grundlage und die Erklärungen dafür, warum ein Einsatz des Hundes in der Schule Erfolg bringt.

  • Die Biophilie-Hypothese (Edward O. Wilson 1984) meint die Liebe zum Lebendigen. Sie beschreibt die angeborene emotionale Affinität des Menschen zu anderen lebenden Organismen.
  • Das Konzept der Du-Evidenz (Greiffenhagen, 1991) legt die Vorstellung zu Grunde, dass das Tier als Partner des Menschen anerkannt und geschätzt wird. Hunde werden als Individuen vom Menschen anerkannt und Beziehungen entstehen, die denen entsprechen, die Menschen unter sich kennen. Der Mensch kann mit einem Hund eine Du-Beziehung eingehen, da dieser zahlreiche Identifikationsmöglichkeiten bietet. Die Du-Evidenz ist unumgängliche Voraussetzung dafür, dass Tiere therapeutisch und pädagogisch helfen können.
  • Die Bindungstheorie (Andrea Beetz, 2005) überträgt die Bedeutung von stabilen Bindungen für die Entwicklung der Kinder auf die Interaktionen mit dem Hund. Tiere stellen für den Menschen Bindungsobjekte dar und umgekehrt. Tiere können Menschen emotionale und soziale Unterstützung bieten und durch den Einsatz von Hunden können bei Kindern ungünstige Bindungsmuster beeinflusst und modifiziert werden.
  • Das Konzept der Spiegelneuronen erklärt, warum Hunde auf Menschen emotional einen so großen Einfluss ausüben können. Effekte wie die Beruhigung oder Verbesserung der Stimmung und Atmosphäre durch den Hund können mit Hilfe dieses Konzeptes erklärt werden. Es bildet darüber hinaus die Grundlage für die Arbeit an der Empathiefähigkeit durch den Hund.

 

4.2 Warum Menschen Hunde brauchen (S. v. Vietinghoff, 2012)

Hunde gelten als verlässliche, treue Partner, sind geduldige, nicht wertende Zuhörer und bilden Anknüpfungspunkte für Gespräche. Sie geben das Gefühl um seiner selbst willen geliebt und gebraucht zu werden.

In Anlehnung an die Arbeit von S. v. Vietinghoff, 2012, sollen im Folgenden auf Grund der Menge an Wirkungsweisen nur die wichtigsten aufgezählt werden, die den speziellen Einsatz des Schulhundes Frieda im Vormittagsbetrieb als auch im Ganztagsbereich. Durch den zielgerichteten Einsatz des Hundes können natürlich nicht alle Wirkungsbereiche gleichzeitig abgedeckt werden. Je nach Schülerschaft müssen daher von der Lehrkraft phasenweise individuelle Schwerpunkte gesetzt werden.

Wirkungsbereich

Spezielle Wirkungs- und Interaktionsmöglichkeiten durch den Hund

Physische/ physiologisch

· Körperkontakt

· entspannte Interaktion

· Beruhigung

· Bewegung an frischer Luft

Kognition

· Lernen über Hunde und Hundehaltung

· Anregung des Gedächtnisses

· Austausch und Gespräch

· Motivation

· Konzentrationsfähigkeit

· Kurz- und Langzeitgedächtnis

· zielgerichtetes Handeln

· logisches Denken

· Finden von Problemlösungsstrategien

· Handlungsplanung

· Analysefähigkeit

Emotionale Stabilität

· akzeptiert werden

· Zuwendung

· Bestätigung

· Trost

· Ermunterung

· Zärtlichkeit

· Freude zeigen, Begeisterung

· Abbau von Ängsten und Unsicherheiten

· entspannt Neuem begegnen

· vermehrt Neues ausprobieren

· Frustrationstoleranz

· Stabilität und Selbstsicherheit

· Selbstkontrolle

· emotionale Selbststeuerung

Sozialverhalten

· Rücksichtnahme

· Regeleinhaltung

· Kontaktverhalten

· Zuwendung, Hilfsbereitschaft

· Integration

· Zusammengehörigkeitsgefühl

· Konfliktvermeidung/ Konfliktlösung

· Verantwortungsgefühl/ Pflichtbewusstsein

· Sensibilisierung für die Bedürfnisse Anderer

Selbstbild/ Selbstwert/ Selbstbewusstsein / Selbstsicherheit

· konstante Wertschätzung

· Gefühl gebraucht zu werden

· Verantwortung übernehmen

· Bewältigungskompetenz erleben

· unbedingte Akzeptanz

· konstante und kontinuierliche Zuneigung

· unkritische Bewunderung

· unbedrohliche und belastungsfreie Interaktionsphasen

Selbst- und Umweltkontrolle

· Kontrollerfahrungen in Pflege, Versorgung

· Kontrollerfahrungen in Führung, Gehorsam

· Erfordernis der Selbstkontrolle

· Sensibilisierung für eigene Ressourcen

· Zwang zur aktiven Bewältigung

· Kompetenzerfahrung, Zutrauen

· Vermittlung von Bewältigungskompetenz

· Aufbau von Alltagsstrukturen

Stressreduktion, Beruhigung, Entspannung

· Wahrnehmungs- und Interpretationsveränderung von Belastung

· gelassenere Stressbewertung

· Trost und Beruhigung

· Aufwertung kleiner Freuden

· Entspannungsmöglichkeiten

Soziale Integration

· Erfüllung von Bedürfnissen nach Zusammensein, Geborgenheit

· Erfahrung von Nähe

· Erfahrung von Gemeinsamkeit

· nicht alleine sein

· Vertrauen und Vertrautheit

· Verantwortungsbewusstsein

· Aufheben sozialer Isolation

· Förderung des Kontaktverhaltens

· Eisbrecherfunktion

Regressions- und Entlastungsmöglichkeiten

· Ermöglichung affektiver Entladung

· Ermöglichung offenen emotionalen Ausdrucks

· Erinnerungsmöglichkeit

· Identifikationsmöglichkeit

· Spontaneität und Spaß erleben

· Hund als sozialer Katalysator

· entspannte Ruhe und Zufriedenheit

Interesse und Aufmerksamkeit

· Ansprechbarkeit

· Vermehrtes Reagieren auf Außenreize

· erhöhte Steuerbarkeit

· Fokussierung der Aufmerksamkeit

· längere Zeit bei einer Aufgabe bleiben

· Aufgaben selbstständig zu Ende bringen

Wahrnehmung

· visuell, taktil, auditiv, propriozeptiv, vestibulär, olfaktorisch

· Verbesserung der Wahrnehmungsqualität

· Verbesserung der Wahrnehmungsdifferenzierung

Motorik

· Spaß an Bewegung

· Grobmotorik

· Feinmotorik

· Veränderungen in Tonus und Haltung

· Koordinationsfähigkeit

· Handlungsplanung

· Handlungssteuerung

Lern- und Arbeitsverhalten

· Lärmprävention

· Sorgfalt und Ordnung

· Selbstständigkeit / Kreativität

· Lern- und Anstrengungsbereitschaft

· Ruhe und Entspannung

· Verringerung der Aggressionsbereitschaft

· Eigenverantwortung

· planvolles, strukturiertes Handeln

 

 

 

 

5. Unfallverhütung

Der Unfallverhütung kommt gerade im Bereich des schulischen Einsatzes von Hunden eine hohe Bedeutung zu. Immer wieder schockieren Medien durch Beißunfälle mit Kindern, die im schlimmsten Fall für das Kind tödlich enden können. Rein statistisch gesehen ist jedoch für ein Kind die Gefahr größer, an einem Luftballon zu ersticken oder bei einem Sturz von der Schaukel tödlich zu verunglücken, als von  einem Hund tödlich verletzt zu werden (Vgl. Bradley 2007).

Hunde sind Tiere und keine Maschinen und darum bedeutet auch eine Wesens- und Gehorsamsbeschreibung von Fachleuten und eine gute Eignung des Hundes keinen 100%-igen Schutz vor Unfällen. Denn auch das Verhalten von Kindern im Umgang mit dem Hund ist nicht immer vorhersehbar, berechenbar oder gar vernünftig.

Aus diesem Grund ist es notwendig, dass der Hundeführer seinen Hund sehr gut kennt und ihn frühst möglich aus Stressituationen befreit bzw. diese erst gar nicht entstehen lässt. Ein gut sozialisierter, gut erzogener Hund mit dem liebe- und respektvoll umgegangen wird, dessen Bedürfnisse geachtet und geschätzt werden ist daher die beste Unfallverhütung. Denn gut sozialisierte Hunde, deren Bedürfnisse geachtet werden, reagieren nicht von 0 auf 100. Auf dem Weg zum Beißen liegen viele Signale, die dem Mensch eine für den Hund bedrohliche Situation anzeigen. Erst wenn alle Signale missachtet werden und die Situation sich für den Hund weiter zuspitzt, ist seine letzte Antwort der Biss (Vgl. Eskalationsleiter von Shepherd, 2002). Dies impliziert, dass der Hund nie mit Kindern alleine ist und sein Hundeführer immer ein wachsames Auge auf die aktuelle Befindlichkeit seines Hundes hat.

 

6. Planung, Durchführung und Evaluation der Einsätze

6.1 Planung des Einsatzes von Frieda

Der Einsatz des Hundes Frieda beginnt, sobald die schulischen Gremien dem Einsatz zugestimmt haben, möglichst zu Beginn des Schuljahres 2018/19. Der Hund hat das Schulgebäude kennengelernt und wird vorher den Schülern der möglichen Einsatzklasse bzw. Ganztagsgruppe vorgestellt werden.

Wichtige Regeln im Umgang mit dem Hund sowie die Einrichtung eines Hundedienstes, der sich um Wasser, Sauberkeit und Wohlbefinden des Hundes kümmert, werden im Laufe der ersten Einsatztage erarbeitet.

Der Hund wird zunächst an einem Tag der Woche eingesetzt. Sollte sich im Laufe der Zeit eine erhöhte Belastbarkeit im Einsatz herausstellen, ist der Einsatz an einem weiteren Wochentag möglich. Der Gesamteinsatz des Hundes sollte aber 2 Tage pro Woche mit je 3-5 Stunden nicht überschreiten.

Nach der Eingewöhnungsphase wird der Hund nach und nach auch den anderen Klassen der Schule vorgestellt, sodass die Regeln im Umgang mit dem Schulhund und Hunden im Allgemeinen allen Schülern bekannt und geläufig sind.

Der Hund erhält in der Einsatzklasse seinen Rückzugsort, der gleichzeitig ein Tabuort für die Schüler ist. In der ersten Zeit wird der Hund in 1-2 Schulstunden pro Einsatztag sequenzweise aktiv in den Unterricht eingebunden. In Arbeitsphasen der Schüler oder Unterrichtsphasen ohne den aktiven Einsatz des Hundes darf sich der Hund frei in der Klasse bewegen und seinen Schlafplatz frei wählen.

In den Pausen bleibt der Hund in der Einsatzklasse, begleitet seine Hundeführerin ins Lehrerzimmer und/oder bekommt im umliegenden Gelände die Möglichkeit sich zu lösen. Auf dem Schulhof bewegt sich der Hund stets angeleint, nur wenn er sich in einer gezielten Aktion und Arbeitsphase unter Aufsicht der Hundeführerin befindet, darf er dort frei laufen.

 

6.2 Durchführung , Evaluation und Dokumentation

Die Durchführung der Fördereinheiten mit dem Hund werden zum einen von der zuständigen Hundeführerin und Lehrkraft, zum anderen von den Kindern dokumentiert. In einem Hundetagebuch halten die Kinder fest, wer in welcher Interaktion mit dem Hund gearbeitet hat, wie die emotionale Lage von Hund und Schülern am Einsatztag war und welche Schwierigkeiten aufgetreten sind.

In seinem Einsatz kann der Hund verschiedene Funktionen einnehmen. An dieser Stelle sollen die 4 häufigsten Funktionen dargestellt werden.

  • Der Hund als Eisbrecher: In diesem Fall dient der Hund dazu, Kontakt zum Kind herzustellen und einen ersten Beziehungsaufbau anzubahnen. Durch den hohen Aufforderungscharakter des Hundes fällt es vielen Kindern so leichter mit Erwachsenen in Beziehung zu treten.
  • Der Hund als Motivator: Hier hat der Hund die Funktion die Schüler durch verschiedene Interaktionen zum Arbeiten zu motivieren. Ein Spiel mit dem Hund oder eine Übungssequenz kann zum Beispiel eine Belohnung für fleißiges, konzentriertes Arbeiten sein.
  • Der Hund als Katalysator: Der Hund beruhigt, erweckt Vertrauen und motiviert alleine durch seine Anwesenheit. Das Kind, das im Fokus des Geschehens steht, hat zusammen mit dem Hund nicht das Gefühl allein im Mittelpunkt zu stehen. Darüber hinaus ist der Hund eine wirkungsvolle Möglichkeit, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen und er entlastet das Kind durch seine Unbeschwertheit von dem Druck, den die Erwachsenenwelt häufig ausübt.
  • Der Hund als Identifikations- oder Projektionsobjekt: Eigene Wünsche, Strebungen, Schwierigkeiten lassen sich mit Hilfe des Hundes besser ausleben und bewältigen. Durch die ständige und ehrliche Körpersprache des Hundes dient er dem modellhaften Lernen der Schüler.

In verschiedenen freien oder gelenkten Interaktionen mit dem Hund können somit die positiven Wirkungen auf die Kinder provoziert und ausgenutzt werden. Wie vielfältig sich die Lehrkraft die Wirkung des Hundes bei der Förderung der Kinder zu Nutze machen kann, wurde bereits unter 4. erläutert.

 

7. Hygieneplan

7.1 Einleitung

Der Hygieneplan hat das Ziel, das Risiko einer möglichen Infektionsübertragung vom Hund auf den Menschen und umgekehrt zu minimieren. Ansprechpartnerin für alle spezifischen Fragen ist Frau Erdtmann (Tel.: 05424-4144 oder 05421-716144).

 

7.2 Rechtsgrundlagen

  • 36 Infektionsschutzgesetz
  • 58, § 59a und § 66 Niedersächsisches Schulgesetz

BGV C8 (UVV Gesundheitsdienst)

 

7.3 Dokumentation zu den Tieren

Alle Schüler, die mit den Hunden in Kontakt treten, werden immer wieder darin trainiert adäquat auf den Hund zu reagieren und seine Körpersprache richtig zu deuten. Sie werden darüber hinaus angehalten die erarbeiteten Regeln im Umgang mit dem Hund einzuhalten und aktiv zu leben.

Folgende Unterlagen des Schulhundes sind jederzeit einsehbar:

  • Tierärztliches Gesundheitsattest
  • Impfausweis
  • Protokoll der Ektoparasitenprophylaxe
  • Protokoll der Endoparasitenprophylaxe
  • Versicherungsnachweis
  • Gehorsams- und Wesensbeschreibung des Hundes

 

Frieda erhält keinen Zugang zur Schulküche bzw. der Mensa. Der Kontakt zu Schülern mit einer bekannten Hundehaarallergie wird vermieden, es sei denn der Schüler erbringt vom Arzt eine Unbedenklichkeitsbescheinigung oder das Einverständnis der Eltern.

Schüler mit einer Hundephobie werden langsam und behutsam an den Hund herangeführt. Wenn Schüler oder Eltern es wünschen, findet kein Kontakt zum Hund statt.

 

7.5 Anforderungen an die Tierpflege

Der Hund befindet sich stets in einem optimalen Gesundheits-, Ernährungs- und Pflegezustand. Frieda ist Eigentum von Frau Erdtmann und lebt im Haushalt der Hundeführerin. Die Ausbildung des Hundes basiert ausschließlich auf Motivation und positiver Verstärkung. Auf das physische und psychische Wohl des Hundes wird stets geachtet.

 

7.6 Reinigung und Desinfektion

Der Hund wird vor dem Betreten des Schulgebäudes gesäubert. Er hinterlässt im Gebäude nicht mehr Spuren, als die, die auch Menschen durch die Nutzung des Gebäudes hinterlassen. Daher führt die Anwesenheit des Hundes zu keiner Änderung des üblichen Reinigungs- und Desinfektionszyklus.

Die Einsatzklasse des Hundes, sein Liegeplatz sowie Zubehör wie der Wassernapf, das Körbchen, Spielzeug oder Decken werden nach seinem Einsatz stets durch die Lehrkraft oder einen wechselnden Hundedienst gesäubert.

Es wird verstärkt darauf geachtet, dass die Hände regelmäßig vor der Einnahme von Nahrung gründlich mit Reinigungsmittel gesäubert werden. In der Einsatzklasse besteht die Möglichkeit, sich nach einem Kontakt zum Hund jederzeit die Hände zu waschen.

Der Hund frisst und trinkt ausschließlich aus den für ihn vorgesehenen und ausgewiesenen Behältnissen.

Desinfektionsmittel und geeignetes Material zur Entfernung von Ausscheidungen sind in der Einsatzklasse vorhanden.

 

8. Literaturverzeichnis und Empfehlungen

Literaturverzeichnis:

  • Bradley, J., Hunde können beißen. Aber Luftballons und Pantoffeln sind gefährlicher, animal learn 2007
  • Nestmann, F., Tiere helfen heilen, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Technischen Universität Dresden 43/1994 (4), S. 64-74
  • Prothmann, A., Tiergestützte Kinderpsychotherapie, Peter Lang 2007
  • Vietinghoff, S. von, Ausbildungsunterlagen „Hundegestützte Pädagogik und Therapie“ Dogmentor, 2012

Literaturempfehlungen:

  • Agsten, L., HuPäSch. Hunde in die Schulen- und alles wird gut!?, Books on Demand 2009
  • Agsten, L., Führing, P., Windscheif, M., Praxisbuch Hupäsch, Books on Demand 2011
  • Bransch, S., Schwartz, K., Therapiehund im Klassenzimmer: Die Wirksamkeit Hundegestützter Pädagogik bei Kindern mit ADHS, Grin Verlag 2011
  • Heyer, M., Kloke, N., Der Schulhund. Eine Praxisanleitung zur hundegestützten Pädagogik im Klassenzimmer, Kynos 2011
  • Olbrich, E., Otterstedt, C., (Hrsg.), Menschen brauchen Tiere. Grundlagen und Praxis der tiergestützten Pädagogik und Therapie, Kosmos 2003
  • Vernooij, M.A., Schneider, S., Handbuch der Tiergestützten Intervention. Grundlagen- Konzepte- Praxisfelder, Quelle & Meyer 2008